Was bedeutet sensorische Integration (SI)?

Einfluss der sensorischen integration auf die Entwicklung unserer Kinder

Kind spielt mit Bällen

SI… klingt fast wie CSI… Die SI der Mummys und Daddys. Nein, SI hat natürlich nichts mit der Aufklärung von Kriminalfällen zu tun, auch nicht mit dem Aufspüren von Windelunfällen.

Stattdessen handelt es sich um ein wunderbares und wahnsinnig wichtiges Phänomen, das sich in unserem heranreifenden Gehirn abspielt und unglaublich wichtig ist, damit unser Körper mit all seinen Sinnen funktioniert, wie wir es gerne haben wollen.

Darum wird es in diesem Beitrag ein wenig wissenschaftlicher, dabei jedoch nicht weniger interessant. Wir beschäftigen uns mit der sogenannten SENSORISCHEN INTEGRATION – kurz eben SI – die im Kontext der Entwicklung eines Kindes häufig als Begriff auftaucht.

Das menschliche Gehirn verstehen – Wie entwickelt sich dieses sagenhafte Organ?

Wenn wir die Vorgänge im Gehirn verstehen, wird es uns leichter fallen, unsere Kinder zu verstehen; Verstehen, was mit ihnen passiert. So können wir besser nachvollziehen, was sie als Grundlage brauchen, um den Herausforderungen des Lebens gewachsen zu sein.

Zuallererst müssen wir uns in diesem Zusammenhang mit dem Gehirn eines neugeborenen Babys auseinandersetzen. Es ist nämlich so: Ein Kind wird mit einem nicht vollständig ausgereiften Gehirn und einem schlecht angepassten Nervensystem geboren.

Es kommt also mit einem Organ auf die Welt, das noch nicht voll entwickelt ist. Um es anders zu sagen: Unser Gehirn ist zwar von Geburt an vorhanden, aber es funktioniert noch nicht so richtig.

Wir kommen auf die Welt, wir sehen schlecht und verschwommen, wir steuern unseren Körper gering oder überhaupt nicht. Die Vorstellung von derart wenig Kontrolle über den eigenen Körper hört sich für uns als Erwachsene entsetzlich an… Gut, dass es den Babys am Anfang gar nicht bewusst ist und sich dieser Zustand im Laufe der Zeit noch ändern wird…

Zunächst sind auch die Bewegungen unseres Kindes noch unkoordiniert, es weiß nicht, wo seine Hand ist und wo sich seine Beine befinden. Es kann weder laufen noch sitzen. Auch über seine Ausscheidungen hat es noch keine Kontrolle – So manch eine „KAKAstrophe“ legt Zeugnis darüber ab. Stattdessen funktioniert dies alles automatisch und unbewusst mit der Hilfe von angeborenen Reflexen.

Um sich in der Welt bewegen zu können, zu kommunizieren und ein glücklicher Mensch zu sein, ist eines nötig – nämlich VERNETZTE SINNE im Gehirn.

Was passiert im Gehirn während der kindlichen Entwicklung?

Um zu begreifen, wie unser Gehirn die volle Funktionalität erreicht, müssen wir einen weiteren Aspekt verstehen: Ein Neugeborenes wird mit circa 100 Milliarden Gehirnzellen geboren, die nicht miteinander verbunden sind!

Wir haben Zellen, aber die können nur wenige oder gar keine Informationen senden. Sie können buchstäblich unseren Körper nicht steuern. Die ersten fünf Lebensjahre eines Kindes sind die wichtigsten im Hinblick auf seine spätere Entwicklung, denn bis zu 90 % des Gehirnwachstums fallen in diese Zeit!

Dabei werden Millionen von Verbindungen zwischen Neuronen hergestellt. Verbindungen im Gehirn, aber auch Verbindungen des Gehirns und der Sinne (Sensorische Integration).

Unser Lernpotenzial, das komplexe Denken sowie Bewegungen hängen von einer guten Verbindung und Vernetzung des Gehirns ab. Für uns Eltern ist das eine bedeutende Information.

In Folge unsere Evolution werden wir im Grunde zu früh und damit unreif geboren. Anderseits wären unser Gehirn und unser Kopf zu groß, um sicher auf die Welt zu kommen. Also muss sich das Gehirn nach der Geburt erst noch weiterentwickeln.

Vergleichen wir den menschlichen Körper mit einem Computer, so ließe sich sagen, wir kommen mit einer Festplatte auf die Welt, aber das Betriebssystem muss erst noch installiert werden. Wir werden mit der Biomaschine geboren, die unser Körper ist, aber wir sind nicht im Bilde darüber, wie wir sie benutzen sollen.

Was bedeutet es in der Praxis, wenn die Nervenzellen eines Neugeborenen nicht miteinander verbunden sind?

Stelle Dir vor, Du möchtest Dein Bein heben, doch Dein Körper hebt den Arm. Oder er schließt die Augen. Du hast absolut keine Kontrolle über ihn. Es gibt keine Verbindung zwischen dem, was Dein Gehirn weiß, und dem, was Dein Körper versteht und tut.

So ist es bei Säuglingen, sie lernen erst diese Verbindung zu erstellen zwischen dem, was sie im Körper und in ihrer Umgebung empfinden und dem, was zwischen ihren Sinnen und dem Gehirn passiert. Sie machen das durch Sensorische Integration.

Was ist Sensorische Integration und was leistet sie?

„Unter Sensorischer Integration wird die Aufnahme und Verarbeitung von Sinnesreizen verstanden. Es ist ein zentraler Bestandteil der kindlichen Entwicklung, die bereits vorgeburtlich ausgebildet und aktiv ist. Sie bildet die Grundvoraussetzung für Handlungsfähigkeit, emotionales Gleichgewicht und Selbstbewusstsein.

Alle Reize von außen (z.B. Berührung, akustischer Reiz) aber auch Reize vom eigenen Körper (z.B. von den Muskeln) müssen zuerst registriert, im Gehirn verarbeitet, gespeichert und mit vorhandenen Erfahrungen verknüpft werden. Es wird nur ein Bruchteil aller Reize wahrgenommen. Was wahrgenommen wird, hängt von der Tagesverfassung, Emotionen, Motivation aber auch von der Intensität eines Reizes ab.“ (1)

Das heißt, verschiedene sensorische Informationen fließen ständig in das Gehirn. Ohne unsere Sinne sind wir, kurz gesagt, „blind“. Es ist unseren Sinnen zu verdanken, dass wir über die Welt Bescheid wissen. Ständig sammelt unser Körper unbewusst Daten der Außenwelt, aber auch aus unserem Inneren.

Wir registrieren das meist gar nicht und uns ist nicht bewusst, dass unsere Sinne sekündlich Signale mit wichtigen Informationen zum Gehirn senden.

Informationen, z.B. über die Temperatur – uns ist kalt! Informationen über den Sättigungsgrad – wir haben Hunger! Informationen über die Distanz von Sachen – wenn der Ball auf uns zufliegt, weichen wir aus, oder? Informationen über die Menge des Sonnenlichts – je dunkler es ist, desto schläfriger sind wir usw.

Aber auch Informationen über Schmerzen und ihre Position – wenn wir beispielsweise von einer Mücke gestochen werden, wissen wir, dass es in der rechten Schulter war. Unsere Sinne empfangen und übermitteln immer Informationen. Das ist ihre Aufgabe.

Doch die Übermittlung von Reizen bedeutet noch lange keine komplexe Information. Ein Alphabet bedeutet noch lange kein Wort und eine Reihe von verschiedenen Worten ist zudem noch lange kein sinnvoller Artikel oder Roman.

Nur durch die Aufnahme eines Reizes selbst, also die Tatsache, dass er da ist, erfolgt noch lange keine Reaktion. Wenn es keine richtig entwickelten Verbindungen gibt, wenn das Gehirn noch nicht gelernt hat, diese Informationen zu sammeln und zu einem größeren Ganzen zu gruppieren, und vor allem nicht gelernt hat, sie zu verarbeiten und zu INTERPRETIEREN und zu INTEGRIEREN, dann können wir diese Daten nicht richtig verwenden.

Mit anderen Worten, wir haben Dokumente auf unserem Schreibtisch, aber wir wissen noch nicht, was sie bedeuten und zu welchen Ergebnissen sie führen. Genau das ist diese magische Sensorische Integration – also der Prozess, Daten (Sinnesreize) richtig zu sammeln, zu katalogisieren, zu interpretieren und zu einem größeren Ganzen zusammenzuführen – zu einer richtig interpretierten Information.

Zum Beispiel: „Oh, der Ball fliegt und wenn ich nicht ausweiche, dann bekomme ich ihn auf die Nase.“

Was passiert, wenn die Sensorische Integration gestört ist?

Ist der sensorische Integrationsprozess gestört, ist die Person durch die Informationsüberflutung etwas verwirrt. Denn kommt es zu einer Störung der Sensorischen Integration, ist die Wahrnehmung des Kindes durcheinander und es ist gereizt, überfordert und vor allem kann es nicht gut „funktionieren“, sich nicht konzentrieren und nicht lernen.

Man kann sagen, dass es sich wie ein Kind im Nebel bewegt. Es ist ein wenig wie bei der Arbeit, wenn wir zu viele Aufgaben im Kopf haben und den ganzen Papierkram nicht bewältigen können, dann sind wir müde, frustriert und wütend. Einfach gereizt.

Um es noch ein wenig besser zu veranschaulichen: Was bedeutet Sensorische Integration in der Praxis aus Sicht eines Babys? Stellen wir uns vor, wir hätten ein rundes Ding. Dieses Ding ist rau, duftet schön und frisch und hat eine orange Farbe. Was ist das? Uns ist klar, dass es sich um eine Orange handelt.

Aber für ein Kind sind es völlig separate Informationen über Farbe, Textur, Gewicht, Form und Geschmack. Erst im Laufe der Zeit, durch Sammeln von Erfahrungen, Tasten und Testen wird das Gehirn des Kindes diese Informationen alle zu einem Bild verschmelzen. Und beim nächsten Mal weiß das Kind, dass es eine Orange ist.

Ein anderes Beispiel:
Kratze Dich einmal in einem dunklen Raum hinter Deinem linken Ohr oder berühre Deine Nase. Es ist einfach, nicht wahr?

Und wir alle kennen ein Neugeborenes, das unwissentlich mit Armen und Beinen wedelt, ohne das Spielzeug treffen zu können, geschweige denn, sich absichtlich am Ohr zu kratzen. Es weiß noch nicht einmal, wo seine Hand, seine Nase und sein Auge sind. Diese inneren Informationen über den eigenen Körper und das Bewusstsein des eigenen Körpers im Raum sind noch nicht zusammengeführt worden.

Stelle Dir nun vor, Du greifst in einem dunklen Kinosaal in deine Handtasche voller Gegenstände und suchst nach einem Taschentuch oder Deinen Schlüsseln. Du weißt sogar genau, wo sie sind, oder? Fällt es Dir schwer, Dich in der Dunkelheit Deiner Wohnung zu bewegen?

Wahrscheinlich nicht. An den Kühlschrank kommst Du ohne Probleme, auch wenn er im Erdgeschoss ist und Du dir deinen Weg durch ein Labyrinth aus Spielzeug bahnen musst. Auch das ist Sensorische Integration!

Wir wissen es einfach, denn wir können Informationen miteinander verknüpfen. Dieser Prozess passiert einfach in uns. Anhand dieser Beispiele können wir uns diesen indessen besser vorstellen und unsere Kinder verstehen. Das zeigt, wie wichtig die richtige Sensorische Integration für die Entwicklung unseres Kindes ist.

Wie lange dauert der Prozess der Sensorischen Integration?

Jetzt, da wir wissen, was Sensorische Integration bedeutet, ist es Zeit für etwas Theorie.

Therapeuten weisen darauf hin, dass es sich sowohl um eine motorische als auch um eine mentale Reaktion handeln kann. Sie betonen auch, dass die Sensorische Integration in der Fetalperiode beginnt und bis etwa zum siebten Lebensjahr andauert.

In den ersten sieben Lebensjahren lernt ein Kind, seinen Körper und die Welt um sich herum mit seinen Sinnen wahrzunehmen, aufzustehen und sich effektiv in der Welt zurechtzufinden.

Es lernt, was die verschiedenen Laute bedeuten und wie man spricht, wie man mit den physikalischen Kräften unseres Planeten umgeht, Möbel, Kleidung, Besteck, Spielzeug, Stifte, Bücher und natürlich andere Menschen richtig einordnet.

Da die oben genannten Interaktionen viele Reize liefern, müssen Kinder eine Sensorische Integration entwickeln, die die Nutzung dieser Informationen und ihre effektive Interaktion ermöglicht.

Das Kind lernt selbst, wie es Reize in seinem Gehirn organisiert und ihre Bedeutung liest, wie es die Aufmerksamkeit auf bestimmte Reize richtet und welche ignoriert werden können… und das alles aufgrund der gemachten Erfahrungen.

Deshalb ist es nie eine gute Lösung, ein Kind „im Schatten“ aufzuziehen. Das Kind soll möglichst viel erleben, denn eine abwechslungsreiche „Sinneslust“, also Erleben, Erleben und Wiedererleben nährt unser Gehirn richtig, wodurch es sich gut entwickeln kann.

Wie kann man die Entwicklung eines Kindes unterstützen?

„Es gibt noch echte Kinder, die in der Sonne spielen und die sich, wenn sie schmutzig sind, erst richtig glücklich fühlen.“ (2)

Dieses Zitat aus Rolfs Zuckowskis Lied „Es gibt noch echte Kinder“ zeigt im Grunde, wie wir die Entwicklung unseres Babys und den sensorischen Integrationsprozess unterstützen können.

Nur durch das Erleben verschiedener Texturen und Bewegungen, indem es sich im Schlamm und Sand schmutzig machen, im Gras toben, auf einer Schaukel schaukeln, auf einem Trampolin springen darf usw., hat das Kind die Möglichkeit, seine Sinne zu trainieren und Verbindungen im Gehirn aufzubauen und somit die volle Sensorische Integration zu entfalten. Nur so hat es einen guten Start ins Leben.

Warum ein Kind eine gute Sensorische Integration der Sinne für sein Leben und seine Entwicklung braucht, liegt quasi auf der Hand. Aber geht es nur darum, fit zu sein, nicht tollpatschig zu sein und Spaß zu haben?

Natürlich nicht – Ein Kind, das seine Integration, Bewegung und Erfahrung fördern durfte, ist nicht nur körperlich beweglicher, stolpert weniger über Gegenstände oder lernt schneller Fahrrad fahren usw., sondern tut sich auch beim Lernen in der Schule leichter.

Es lernt besser lesen und schreiben, ist fokussierter und aufmerksamer. Es fällt ihm leichter Dinge zu erreichen, alles was es im Leben will. Es kann besser mit seiner Umwelt umgehen, ist viel selbstbewusster. Es ist einfach glücklicher.

Daher ist es in der frühen Kindheit das Wichtigste, unser Kind nicht so früh wie möglich zum Englisch- oder Klavierunterricht zu schicken, sondern ihm möglichst viele Gelegenheiten für eine gute sensorische Stimulation durch verschiedene Aktivitäten zu geben.

Auch alles andere wird ihm dann zu gegebener Zeit leichter fallen – Das Erlernen einer zusätzlichen Sprache ebenso wie komplizierte mathematische Berechnungen.

Worauf hat die Sensorische Integration Einfluss:

  • Das Lernen in der Schule
  • Das Verhalten
  • Die Entwicklung der Motorik
  • Die soziale Entwicklung
  • Die emotionale Entwicklung

Warum haben so einfache Dinge eine derart große Wirkung auf unser Gehirn?

Durch ein vielfältiges Angebot, durch welches ein Kind mit verschiedenen Reizen und Informationen interagieren und verschiedene Arten von Aktivitäten auszuprobieren kann, wird die Bildung vieler neuer neuronaler Verbindungen im Gehirn evoziert.

Je mehr Verbindungen hergestellt werden und je stärker sich das neuronale Netz verdichtet, desto größer und besser ist die kognitive Leistung eines Kindes – Umso klüger und geschickter ist das Kind dann.

Natürlich wird das Baby oder später das Kind eine Aufgabe auch mit weniger Nervenverbindungen erledigen, es wird dafür jedoch erheblich mehr Zeit brauchen und womöglich Schwierigkeiten haben.

Mit anderen Worten: Stellen wir uns vor, wir befänden uns an einem Ort „A“ und wollten einen bestimmten Ort „B“ erreichen. Um von A nach B zu kommen, können wir entweder die direkte Strecke wählen oder über fünf Umwege und kleine enge Gassen dorthin gelangen.

Blöd noch, dass der einfachste Weg aufgrund einer Baustelle nicht befahrbar ist… Sicher kommen wir auch über fünf Umwege zu „Punkt B“, nur wird es länger dauern und wesentlich mühevoller sein. Die Gefahr, dass wir unterwegs nicht nur entmutigt und frustriert sein werden, sondern am Ende sogar vergessen, warum wir dorthin wollten, ist hoch.

Das Gleiche passiert im Gehirn mit Informationen – nur in Millisekunden.

Wenn wir also in der Kindheit viele unterschiedliche Verbindungen (Wege) durch Erfahrungen und entsprechende Anregungen erschaffen und dieses Netzwerk dicht und effizient ist, werden wir auch in Zukunft jede Herausforderung, sei sie körperlich oder geistig, leichter meistern.

Die Kindheit ist der Schlüssel zur Entwicklung

Dies ist wichtig, solange wir uns darüber im Klaren sind, dass 50 % der Lernfähigkeit eines Menschen in den ersten Lebensjahren entwickelt wird und alle Kenntnisse, die in den späteren Lebensjahren erworben werden, auf einer frühkindlichen Grundlage basieren. Das ist einer der Gründe, warum die ersten Lebensjahre so wichtig sind!

Die ersten 3 Jahre der Entwicklung sind enorm wichtig, danach folgt durch diverse Entwicklungssprünge bis 5 Jahre und dann nochmal bis zum Alter von 7 Jahren nur mehr eine Verbesserung. Also wird etwa in den ersten 5 Jahren der Grundstein fürs Leben gelegt.

Andererseits sollten wir darauf achten, unser Kind, egal welchen Alters, nicht mit verschiedenen Aktivitäten zu überfordern. Für ein Baby mag ein vielfältiges Angebot an diversen Autos, Teddys, Trommeln, Bilderbüchern, Rasseln und Co. – der Blick in ein Kinderzimmer zeigt, die Liste könnte hier endlos fortgeführt werden –, die ihm gleichzeitig angeboten werden, bereits eine Überlastung der Synapsen darstellen.

Ein paar wenige Spielsachen, die von Mal zu Mal gewechselt werden, genügen völlig. Auch ein Schulkind kann ganz schön gestresst reagieren, wenn es aus der Schule nach Hause kommt und ohne Pausen Hausaufgaben, Lernen, Essen, Freunde besuchen, Fußball- oder Volleyballtraining, Geigen- oder Klavierstunde unter einen Hut bringen soll – am besten alles an einem Nachmittag…

Das ist natürlich übertrieben, aber wir wollen alle immer das Beste für unser Kind… ist doch klar! Bei all den wunderbaren Angeboten, die unsere Kinder fördern sollen, dürfen wir die Bedürfnisse der Kinder selbst nicht außer Acht lassen und sollten auf einen ausgewogenen Tagesablauf achten, der genügend Atempausen enthält und den Kindern Freiräume gewährt.

Einfach Mal Abhängen – zum Beispiel auf einer Schaukel – das schafft Platz für Neues… Denn ein Übermaß an Reizen ist wirklich nicht ratsam, da das junge Nervensystem mit so vielen gleichzeitigen Erfahrungen nicht fertig wird.

Schaukeln und Sensorische Integration – In welcher Beziehung stehen sie zueinander?

Schwingen und Schaukeln stimulieren den Vestibularapparat (Gleichgewichtsorgan). Der Gleichgewichtssinn, unser sechster Sinn, ist im Grunde der wichtigste. Er interagiert mit allen anderen Sinnen und aktiviert diese. Mit der Beteiligung des Gleichgewichtszentrums werden die Reize aller anderen Sinne zusammengeführt.

Äußerst entwicklungsfördernd für ein Kind ist das Schaukeln in einer Position auf dem Bauch; am besten noch mit zusätzlichen Reizen, zum Beispiel akustischer oder visueller Art. In dieser Position liegend und schaukelnd werden unglaublich viele Prozesse im Gehirn des Kindes aktiviert und der sensorische Integrationsprozess zusätzlich gestärkt.

Deswegen wird diese Übung in der sensorischen Integrationstherapie regelmäßig eingesetzt. In dieser Position muss das Gehirn viele Informationen auf einmal verarbeiten und neu berechnen – quasi kopfüber wird dabei der Gleichgewichtssinn ebenfalls stimuliert.

Damit unterstützt Schwingen den Prozess der Bildung neuer Nervenverbindungen und das Zusammenspiel beider Gehirnhälften. Schaukeln oder Schwingen aktiviert das Vestibularsystem, das an der Integration der anderen Sinne beteiligt ist und beeinflusst damit den gesamten Prozess der guten Entwicklung unseres Kindes.

Zitterte Quellen:

(1) Von Mag.a Katrin Unterweger, MSc: Was ist sensorische Integration, was leistet sie?

(2) Von Rolf Zuckowski: Es gibt noch echte Kinder

Literatur:

Ayres AJ, Bausteine der kindlichen Entwicklung, Springer-Verlag, Berlin Heidelberg 2016.

Carol Kranowitz – The Out-Of-Sync Child: Recognizing and Coping with Sensory Processing Disorder – Verlag: PERIGEE BOOKS- April 2006.

Mattle, H., Mumenthaler, M.: Neurologie. Thieme, Stuttgart 2013.

Banaszek G., Säuglingsentwicklung und ihre Störungen und Rehabilitation nach der Vojta-Methode, Bielsko-Biała 2004.

Eliot L., Was geht da drinnen vor? Die Gehirnentwicklung in den ersten fünf Lebensjahren, Berlin Verlag, Berlin 2001.

Tajchman L., Haltungsschäden bei Kindern, ISBN 9788381149068.

Internetquellen: